Wie geht’s und warum wir gehen

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Wie geht's und warum wir gehen
Die Zu Spät Show
Wie geht’s und warum wir gehen
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„Wie geht’s?“: eine Floskel, die wir alle nutzen, die uns aber im Grunde völlig egal ist.

Eigentlich ist es eine nette Geste. Man tut so, als würde man sich interessieren. Aber wehe, das Gegenüber antwortet ehrlich. Ein „Schlecht“ oder „Furchtbar“ ist der soziale Super-GAU. Es gibt nur eine akzeptable Antwort: „Gut, und dir?“. Wobei das „und dir?“ auch gelogen ist, weil es dich eigentlich nicht interessiert. Doch was passiert, wenn wir die Frage ernst nehmen? Nicht im emotionalen Sinne, sondern rein mechanisch: Wie geht gehen?

Die Typologie des Gehens: Sag mir, wie du läufst …

Wenn man genauer hinschaut, ist Gehen nicht gleich Gehen. Die Art, wie wir uns fortbewegen, verrät alles über unseren momentanen Zustand:

  • Der Fluchtmodus: Man geht schnell, den Kopf gesenkt, um bloß nicht aufzufallen oder so schnell wie möglich wieder in der sicheren Wohnung zu verschwinden.
  • Der Kraftprotz: Brust raus, energetisch, prescht voran und lässt die „lahmen Schnecken“ hinter sich.
  • Der Drangvolle: Schnell, aber zusammengezwickt – der klassische Gang zum nächsten Klo.
  • Der Bummler: Langsames Schlendern, Mäandern durch die Stadt, vielleicht weil man zu früh dran ist oder gar nicht erst zum Termin bei den Schwiegereltern will.
  • Der Kinder-Stil: Der Boden ist Lava, rückwärts hüpfen, auf Striche achten – die kreativste Form der Fortbewegung.

Das Fundament der Menschlichkeit (und der Fetische)

Gehen ist das, was uns zu Menschen macht. Es ist unser Alleinstellungsmerkmal gegenüber Tieren. Außer Männchen machenden Hunden.

Deshalb feiern wir die ersten Schritte eines Babys wie ein monumentales Ereignis (bevor wir merken, dass wir jetzt alles in der Wohnung 20 Zentimeter höher stellen müssen).

Diese fundamentale Bedeutung erklärt vielleicht auch, warum Füße ein so prominentes Thema in der Populärkultur und im Internet sind. Ob man nun – wie ich gehört habe – Urin aus Stöckelschuhen trinkt oder zu der Gruppe Frauen gehört, die mit Fußfotos im Netz reich werden: Die Füße tragen uns durchs Leben.

Der Service-Hack: Die Gegenfrage als Filter

Ich möchte dir heute ein Werkzeug an die Hand geben. Wenn dich das nächste Mal jemand mit einem „Wie geht’s?“ überfällt, nutzt die Gegenfrage: „Möchtest du wissen, wie mein Gemütszustand ist, oder willst du wissen, wie meine Fortbewegung funktioniert?“

Das ist der perfekte Gesprächs-Opener. Es bricht das langweilige „Gut und dir“ auf und hat einen entscheidenden Vorteil: Wenn dein Gegenüber daraufhin entnervt abzieht, weißt du sofort, dass du deine Zeit nicht mit einem humorlosen Bastard verschwenden musst.


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Musik-Credit: „One Too Many Ghosts“ – PremiumBeat via Envato Elements

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